Winzige Bestäuber mit globaler Bedeutung

Jedes Jahr am 20. Mai feiert die Welt den Weltbienentag. Er erinnert uns daran, wie entscheidend Bienen und andere Bestäuber für unsere Ökosysteme, die globale Artenvielfalt und unsere eigenen Lebensgrundlagen sind. Während die Honigbiene meist im Rampenlicht steht, leisten weltweit tausende Wildbienenarten still und leise unverzichtbare Arbeit für eine gesunde Umwelt.

Die stachellosen Verbündeten des Regenwaldes

In tropischen Ökosystemen wie dem Amazonas-Regenwald sind Bienen weit mehr als reine Honigproduzenten. Unzählige Pflanzenarten sind für ihre Fortpflanzung zwingend auf sie angewiesen. Das macht die Insekten zu einem Schlüssel für die Regeneration und die Widerstandsfähigkeit des Waldes. Ohne sie würden ganze Nahrungsnetze und Ökosystemfunktionen ins Wanken geraten.

Besonders faszinierend sind die in den Tropen heimischen stachellosen Bienen. Sie gelten zunehmend als wichtige Verbündete im Kampf gegen die Entwaldung. Indem sie einheimische Bäume und Nutzpflanzen bestäuben, treiben sie die Wiederaufforstung voran und sichern gleichzeitig die lokale Nahrungsmittelproduktion. Der Schutz dieser Bienen stärkt somit direkt die Lebensgrundlagen der Menschen, die im und vom Regenwald leben. Aufgrund dieser grossen Bedeutung haben die stachellosen Bienen nun erstmals eigene Rechte in Peru erhalten.

Tetragonisca angustula, eine stachellose Honigbienenart aus der Familie der Meliponini. © Richard Araya Villalobos

Ein Drittel unserer Nahrung hängt von Bestäubern ab

Der Schutz von Bestäubern ist auch eine Frage der globalen Ernährungssicherheit. Rund ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion ist auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen. Ob Obst, Gemüse, Nüsse, Kaffee oder Kakao – sie alle benötigen Bienen und andere Insekten für ertragreiche Ernten und gesundes Saatgut. 

Doch die Bestäuber stehen weltweit unter Druck: Lebensraumverlust, Pestizide, der Klimawandel, Krankheiten und Umweltverschmutzung setzen den Populationen massiv zu. Um gegenzusteuern, braucht es globale und lokale Massnahmen: den Schutz intakter Lebensräume, eine nachhaltige Landwirtschaft, gezielte Forschung und eine breite Sensibilisierung der Öffentlichkeit.

Von den Tropen in die Schweiz: Forschung für den Schutz

Obwohl wir uns bei GREEN BOOTS primär für den Schutz tropischer Ökosysteme engagieren, nehmen wir den Weltbienentag zum Anlass, den Blick auch auf die Schweiz zu richten. Denn in der Schweiz stellen der Schutz von Bestäubern und eine nachhaltige Ökosystembewirtschaftung zunehmend wichtige Forschungsschwerpunkte dar.

Ein wegweisendes Beispiel ist das vom Kompetenzzentrum Agroscope geleitete Projekt BEENERGIA. Diese multidisziplinäre Schweizer Forschungsinitiative untersucht die Wechselwirkungen zwischen gezüchteten Honigbienen und Wildbienen. Mit einem Mix aus ökologischen, genomischen, epidemiologischen und sozioökonomischen Ansätzen soll das Projekt wissenschaftlich fundierte, praktische Lösungen für den Schutz der Bestäuber und eine zukunftsfähige Landwirtschaft liefern.

Konkurrenz oder Koexistenz? Forschende von Agroscope untersuchen im Projekt BEENERGIA die Wechselwirkungen zwischen Honig- und Wildbienen, um den Schutz beider Arten im Agrarraum zu sichern. © Dan Joel Vo

Es geht um das grosse Ganze

Für GREEN BOOTS zeigt der Weltbienentag: Beim Bienenschutz geht es um weit mehr als um eine einzelne Insektengruppe. Es geht um den Erhalt der gesamten Biodiversität, um stabile Ökosysteme und um die komplexen Kreisläufe, die das Leben auf der Erde überhaupt erst ermöglichen. Die Wissenschaft – von den tropischen Regenwäldern bis zu den Schweizer Agrarlandschaften – liefert uns dafür das nötige Fundament, um diese Lebensadern für künftige Generationen zu bewahren.

 

Autorin: Anaïs Tallon, Freiwillige