Professor Sarath Wimalabandara Kotagama, Sri Lankas erster Professor für Ornithologie und langjähriger Umweltfachmann, verbindet wissenschaftliche Arbeit mit öffentlicher Beratung, unter anderem für Ministerien und als Leiter des Wildlife Department. Seit den späten 1960er-Jahren ist er eng mit dem Sinharaja-Regenwald verbunden, dem letzten grossen Regenwaldrest Sri Lankas und UNESCO-Weltnaturerbe. Im Gespräch mit GREEN BOOTS spricht er über die Besonderheiten des Waldes und warum Daten, Feldforschung und die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften entscheidend bleiben.
Könnten Sie kurz Ihren Hintergrund schildern und wie Sie zu Ihrer Arbeit in Sinharaja gekommen sind?
Ich bin Ornithologe von Ausbildung und wurde durch meine Arbeit Umweltfachmann. Mein Engagement in Sinharaja begann 1969 als Student, als ein Holzschlag für eine Sperrholzfabrik geplant war. Wir schlossen uns der Kampagne der Wildlife and Nature Protection Society unter Thilo Hoffmann an. Der Holzschlag wurde dann von 1972 bis 1977 mechanisch durchgeführt, zum ersten Mal in Sri Lanka. Das eröffnete eine einmalige Möglichkeit für Forschung. Ab 1980 richteten wir eine Feldstation ein und begannen systematische Untersuchungen zur Tierwelt. Damit entwickelte sich die anfangs aktivistische Arbeit zu wissenschaftlicher Arbeit, die als Grundlage für Schutzentscheide dienen konnte.
Karte des Sinharaja-Regenwalds mit den unterschiedlichen Lebensraumtypen. © Lakpura
Welche Ziele hatten Sie in dieser frühen Forschungsphase?
Wir hatten klare Ziele. Erstens wollten wir die Fauna eines sri-lankischen Regenwaldes dokumentieren, da es keine umfassende Ausgangsdatenlage für Sinharaja gab. Wir konzentrierten uns auf Wirbeltiere und einige sichtbare Wirbellose. Zweitens wollten wir die Auswirkungen des Holzschlags untersuchen, vor allem bei Kleinsäugern und Vögeln, indem wir geschlagene und ungeschlagene Flächen verglichen. Diese Studien zeigten, dass endemische Kleinsäuger in geschlagenen Bereichen abnahmen, während typische „Dorfarten“ zunahmen. Bei Vögeln liess sich eine deutliche Veränderung der Artenzusammensetzung feststellen.
Sie haben Sinharaja als „wissenschaftlichen Goldschatz“ bezeichnet, besonders wegen der Vogelgemeinschaften. Was haben Sie entdeckt?
Bei den Untersuchungen zu den Holzschlagfolgen fanden wir gemischte Schwarmgemeinschaften im Regenwald der Feuchtzone. Diese Schwärme bestehen aus 20 bis 30 Arten mit insgesamt 60 oder 70 Individuen und bewegen sich für die Futtersuche gemeinsam durch den Wald, in einer Höhe von etwa fünf bis über dreissig Metern. Ihr ständiges Rufen durchbricht die Stille des Waldes, bis bei einem Alarmruf sofort Ruhe einkehrt.
Zwei Arten, der Orangebüllel-Babbler und der Crested Drongo, scheinen den Schwarm zu bilden und zusammenzuhalten. Viele Arten sind Insektenfresser, aber selbst primär fruchtfressende Endemiten wie der Layardsittich oder der Yellow-fronted Barbet schliessen sich an. Das wäre ein lohnendes Thema für weitere Untersuchungen. Wir beobachten auch Arten, die sich vorübergehend anschliessen, etwa der Schmuckkitta oder die Spot-winged Thrush, die ihre Reviere kurz verlassen, wenn der Schwarm vorbeizieht. Ein Lanyards Eichhörnchen folgt oft am Ende des Schwarms und nutzt Nahrung, die von Spechten zugänglich gemacht wurde.
Die Schwärme treten das ganze Jahr über auf, verändern aber während der Brutzeit ihre Grösse und Zusammensetzung. In der trockeneren Phase, die für die Feuchtzone die Hauptbrutzeit ist, sinkt die Zahl der dominanten Babblers und die Schwarmgebiete werden kleiner. Zugvögel wie der Paradiesfliegenschnäpper können sich anschliessen. Wir planen jetzt, mit moderner Ortungstechnik weiterzuforschen, etwa zur minimalen Flächennutzung und dazu, wie weit Schwärme Waldgrenzen überschreiten. Nach aktuellem Stand sind das nur wenige hundert Meter, sofern keine Waldverbindung besteht.
Der Sinharaja-Regenwald beherbergt eine hohe Anzahl endemischer Arten, also Tier- und Pflanzenarten, die nur hier vorkommen. Beispielsweise das Sri-Lanka-Riesenhörnchen (Ratufa macroura) oder der Schmuckkitta (Urocissa ornata, rechts), eine auf Sri Lanka endemische Vogelart aus der Familie der Rabenvögel. © Steve Garvie und Rainforest Protectors Trust
Was macht Sinharaja über die Vogelwelt hinaus wissenschaftlich besonders?
Zwei Merkmale sind zentral. Erstens der Höhenverlauf. Entlang des Sinharaja-Grates steigt das Gelände von etwa 300 auf 1’700 Meter an. Dadurch findet man einen durchgehenden Übergang von Tieflandregenwald zu montanen Vegetationstypen. An anderen Orten Sri Lankas sind diese Übergänge durch menschliche Nutzung unterbrochen. In Sinharaja sind sie erhalten.
Zweitens gibt es eine geomagnetische Anomalie. Bei unseren Vermessungen stellten wir fest, dass der Kompass beständig abwich. Eine Dissertation bestätigte später, dass das Grundgestein unter dem Grat das Magnetfeld beeinflusst. Das ist ungewöhnlich und macht den Wald wissenschaftlich interessant.
Oft hört man, Sinharaja sei urtümlich. Treffender ist: Es handelt sich um einen primären, aber seit Langem genutzten Wald. Pfade, Überlieferungen und frühere Berichte zeigen, dass Menschen sich seit Jahrhunderten dort bewegt haben, allerdings ohne die Schäden moderner Forstnutzung.
Professor Kotagama ist seit den 1960er-Jahren eng mit dem Sinharaja-Regenwald verbunden. © Kotagama
Wie hat sich der Schutz des Gebietes entwickelt und wie wird es heute verwaltet?
Die Zuständigkeit liegt seit Langem beim Forest Department. Nach der Holzschlagkontroverse wurde Sinharaja zunächst zum Biosphärenreservat erklärt und 1988 zum Weltnaturerbe. Die National Conservation Review der frühen 1990er-Jahre stärkte zudem den landesweiten Schutz natürlicher Wälder. Seitdem werden natürliche Wälder nicht mehr kommerziell geschlagen, und die Holzproduktion stützt sich auf Plantagen.
Die Verwaltung liegt weiterhin beim Forest Department. Ein wirkungsvolles Element, das wir bei der Weltnaturerbe-Ausweisung forderten, ist die Regel, dass die Guides an jedem Eingang aus den angrenzenden Dörfern stammen. Das fördert Beteiligung und Einkommen vor Ort. Zudem gibt es eine kleine staatliche Forschungsstation im Wald, die für Kurse und Feldarbeit genutzt wird.
Wie verlief der Austausch mit den lokalen Gemeinschaften, als der Welterbestatus vorbereitet wurde?
Anfangs lehnten etwa 22 Dörfer den Vorschlag ab. Das Forest Department bat uns um Unterstützung. Wir führten Jugendliche und Dorfbewohner in den Wald, erklärten die Bedeutung des Welterbes und diskutierten konkrete Fragen. Wir setzten uns dafür ein, dass der kontrollierte Zugang zu bestimmten Nichtholzprodukten weiterhin möglich bleibt, zum Beispiel zu saisonalen Früchten oder Rattan entlang gestörter Bachläufe. Schädliche Aktivitäten wie das Graben in sumpfigen Mulden haben wir thematisiert. Die Jagdbelastung ist in Sinharaja gering. Die sri-lankische Kultur, auch geprägt durch den Buddhismus, hat keine starke Jagdtradition. Mit der Zeit erkannten die Dörfer den Wert des Schutzstatus, insbesondere durch ihre Rolle als lokale Guides, die Besucherinnen und Besucher an den Zugängen zum Wald begleiten.
Welche Herausforderungen bestehen heute?
Es gibt punktuell Grenzverletzungen, etwa einzelne gefällte Bäume oder kleine Rodungen. Auf der Westseite ist die Kontrolle gut, andernorts weniger. Ein grosses praktisches Problem ist der Zugang. Nachdem früher zu viele Busse den Wald überrannten, wurde der Zutritt eingeschränkt. Heute ist die Strasse aber in so schlechtem Zustand, dass kein Fahrzeug mehr hineingelangt. Das erschwert Forschung und Schutz. Wir brauchen keine grossen Strassen, aber einen minimalen, sicheren Zugang.
Ein weiteres Problem ist die institutionelle Aufteilung. Das Forest Department und das Wildlife Department haben teils überlappende Zuständigkeiten, doch die Koordination funktioniert nicht immer reibungslos. Auch in den Plantagen zeigen sich Schwierigkeiten. Pinus, eine ursprünglich nicht heimische Kiefernart, die in Sri Lanka für Aufforstungs- und Forstplantagen eingeführt wurde, erwies sich bereits Ende der 1980er-Jahre als ungeeignet. Dennoch breiten sich Pinus-Bestände heute unkontrolliert aus, etwa im Knuckles-Gebiet und im Grasland der Horton Plains. Die notwendige ökologische Restaurierung dieser Flächen ist bislang ausgeblieben.
Hat sich der Wald in den geschlagenen Bereichen erholt?
Ja, die Regeneration ist stark. Sinharaja ist ein seltenes 50-Jahre-Langzeitexperiment. Wir haben detaillierte Karten der Holzschlagwege aus den 1970er-Jahren. Eine erneute Aufnahme von Vegetation und Tierwelt entlang dieser Linien könnte zeigen, wie schnell sich der Wald erholt hat und welche Beziehungen heute bestehen. Einige pflanzenkundliche Dauerflächen existieren, aber umfassendere Monitoringarbeiten fehlen. Ursache sind vor allem Personal- und Finanzmangel.
Was wissen wir über die Auswirkungen des Klimawandels?
Es gibt modellbasierte Aussagen, wonach bestimmte Bereiche Sinharajas vom Klimawandel betroffen seien. Diese Einschätzungen wurden jedoch nicht durch Feldarbeit vor Ort überprüft. Modelle können Hinweise liefern, ersetzen aber keine Messdaten.
Für Sinharaja fehlen bis heute langfristige Klimadaten aus dem Inneren des Waldes. Nach dem Tsunami von 2004 wurde zwar eine automatische Wetterstation in der Nähe der Forschungsstation installiert, doch sie war ungünstig platziert und übermittelte keine verlässlichen Daten. Um tatsächliche Klimaeffekte beurteilen zu können, braucht es funktionierende Messstationen im Wald und kontinuierliche Datenerhebungen über viele Jahre. Auswirkungen sind möglich, aber sie müssen zuerst gemessen werden.
Sie erwähnten, dass das Schutzgebiet erweitert wurde. Was hat sich verändert?
Kurz vor einem Regierungswechsel wurden etwa 85 umliegende Waldstücke dem Weltnaturerbe zugeschlagen. Dadurch ist die geschützte Landschaft deutlich grösser. Das ist positiv, aber wir haben kaum Daten über diese zusätzlichen Flächen. Grundlagenerhebungen entlang des Höhenverlaufs von 300 bis 1’700 Metern sind dringend notwendig, besonders in höher gelegenen Bereichen, die wir nie untersucht haben. Ohne solche Daten wird es schwer, diese Flächen bei zukünftigen Nutzungsansprüchen zu verteidigen.
Blick auf die Vegetation des Sinharaja-Regenwalds im Südwesten Sri Lankas. © Vimukthi Weeratunga
Welche Bedeutung haben Bildung und Jugendprogramme?
Sie sind zentral. Über Jahrzehnte organisierten wir mit der Field Ornithology Group of Sri Lanka und anderen Partnern Programme für Schulen und Jugendliche. COVID und fehlende Mittel haben vieles unterbrochen. Das 50-Jahr-Jubiläum ist ein guter Zeitpunkt, diese Aktivitäten wieder aufzunehmen, etwa mit kurzen Aufenthalten, geführtem Lernen und direkter Beobachtung. Man muss zuerst die Stille des Waldes hören, bevor man die Logik der Vogelgemeinschaften versteht. Diese Erfahrung vermittelt mehr Wertschätzung als jede theoretische Lektion.
Wenn Sie die wichtigste Lehre aus der Geschichte Sinharajas formulieren müssten, wie würde sie lauten?
Naturschutz sollte auf wissenschaftlichen Daten beruhen, die sorgfältig erhoben und logisch eingesetzt werden. Dazu gehört die Einbindung der Gemeinschaften. Wir haben die politische Entscheidung gegen den Holzschlag gewonnen, doch ein Professor hat uns damals gesagt: Wenn der Schutz dauerhaft sein soll, braucht ihr Daten. Das gilt heute noch. Weiter beobachten, Daten teilen und die Menschen einbeziehen, die mit dem Wald leben. Nur so bleibt Sinharaja das, was er ist: ein lebendiges Naturerbe.
Dieses Interview führte Robert Delilkhan.